DAS GEHEIMREZEPT Einfach nur Spaß haben zu wollen, scheint das Geheimrezept der Band zu sein. "Wir sind keine Perfektionisten", erklärt Gitarrist Thomas Scholl. "Aber das ist vielleicht grad gut. Dadurch dass wir Spaß haben, machen wir das wieder wett." Und die Freude daran, Musik zu machen, sieht man den Männern an: Während sonst das harte Metal-Gewerbe oft einen möglichst düsteren Gesichtsausdruck auf der Bühne zu verlangen scheint, strahlen die Herren bei Noplies um die Wette. Auch sind sie ständig zueinander unterwegs und ihr energievoller Auftritt wirkt, als würden sie mittels Musik kommunizieren. "Du musst doch dem Publikum was bieten und nicht immer nur hinter dem Mikro rumstehen", findet Sänger Josef Pielsticker und agiert nach diesem Motto. Als nimmermüdes Stehaufmännchen wirbelt er auf der Bühne rum, singt schon mal einem Bandmitglied ins Ohr und lockt das Publikum mit den Händen näher heran. Eine ziemlich perfekte Fünf-Mann-Show, viel ausgebaut werden muss da nicht mehr. Der Auftritt beim Finale werde auch nicht grundlegend anders, überlegen sie, vielleicht werden sie eine Ballade einbauen. Diese Stilrichtung fehlte bei ihrem Auftritt aber Musik sei immer viel Gefühl, egal wie hart sie sei, denkt die Band.
KLEINE VERSCHNAUFPAUSE Etwas verschnaufen konnte das Publikum nur
beim ruhigeren "New Day". Dieser Song handelt davon, dass jeder Tag als neuer
Anfang gelten kann. Weiter spielte Noplies "Dimeria". Dies sei ein Fantasiename
für ein kleines Dorf, das sich gegen eine üble Macht zur Wehr setzen muss, aber magische
Unterstützung erhält, erklärt Heiko Irmscher, der Mann hinter den Texten. Die Story
geht gut aus.
"Century" handelt von diesem "Teufelsjahrhundert". Der sozialkritische
Text wettere gegen die Aggressivität, die heute herrscht. Wie man sieht, an
ungewöhnlichen Einfällen für Lyrics fehlt es der Band nicht. Dies macht sich auch in
der Ausführung bemerkbar: Ein Lied kann schon mal mit einem fiesen Lachen enden.
1996 gegründet, hat die Band schon einige Musikerwechsel hinter sich. Lange hat sie nach
einem Bassisten und einem Gitarristen gesucht. Die sind mit Markus Wöllmann und Thomas
Scholl erst dieses Jahr zur Band gestoßen. Und obwohl sie alle schon "etwas
älter" sind, denke keiner ans Aufhören, versprechen sie. Die Band hat schon einiges
an Erfahrung sammeln können, doch bei jedem Auftritt lerne man noch etwas dazu, enthüllt
Drummer Andi Scher: "Und wir sind immer noch aufgeregt. Wenn du das nicht mehr bist,
hast du aufgehört, gut zu sein."
Annette Müller